Die Kunst, den Schatten zu lesen

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© Christine Aldrian-Schneebacher
Schatten: Kirche im Schnee

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© Lisa Pflegerl
Sonnenblume

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© Christine Aldrian-Schneebacher
Moos auf der Schattenseite

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© Christine Aldrian-Schneebacher
Sonnenuhr

Kriterien

Kategorie: Raumwahrnehmung, Landschaft
Aufwand: wenig
Fach: Musisch-kreativ, NAWI
Alter: 10 – 14
Gruppe: > 15, < 15
Dauer: bis 3h
Durchführung: ohne ExpertIn möglich

Kurzbeschreibung

Kann uns der Schatten verraten, wie herum sich die Erde dreht? Kann uns die Sonne die Himmelsrichtung zeigen? Können wir aus den Schatten die Jahreszeit, Tageszeit oder sogar die Uhrzeit ablesen? Welchen Einfluss haben Sonne und Schatten auf das Bauen?

Zielsetzung

In der Architektur und Raumplanung ist der Sonnenstand und Schattenwurf ein wichtiger Faktor für die Ausrichtung und Platzierung von Baukörpern.

Material

Sand oder Wasser
Schnur
Straßenkreiden
Steine, Zapfen oder Schneckenhäuser
Fotokamera

Ablauf

Einleitung

Bereits ganz kleine Babies können Licht und Schatten wahrnehmen und reagieren darauf. Doch weder Licht noch Schatten lassen sich dabei richtig er-fassen oder be-greifen. Je größer die Kinder werden, desto mehr erforschen und verstehen sie – bewusst und unbewusst – den Einfluss von Licht und Schatten. Vor allem das Sonnenlicht ist für die meisten Menschen bis ins Alter ausschlaggebend für Stimmung und Tagesverfassung.

Auch das Interesse am Schatten ist tief verwurzelt. Sowohl die Anfänge der Zeitmessung als auch die der Geometrie beruhen auf Beobachtungen der Schatten.

Kann uns der Schatten verraten, wie herum sich die Erde dreht? Kann uns die Sonne die Himmelsrichtung zeigen? Können wir aus den Schatten die Jahreszeit, Tageszeit oder sogar die Uhrzeit ablesen? Wie funktioniert eigentlich eine Sonnenuhr?

Beobachte den Sonnenstand und die dazugehörenden Schatten einmal genauer. Die einzelnen Schatten eines feststehenden Objektes sind im Laufe eines Tages verschieden lang. Morgens und abends steht die Sonne niedrig, der Schatten ist lang, zu Mittag erreicht die Sonne ihren höchsten Stand und wirft den kürzesten Schatten. Im Winter sind die Schatten länger, im Sommer kürzer. Warum?

Obwohl der Schatten sich ständig verändert, hinterlässt er bleibende Spuren: Wo es immer schattig ist, wachsen andere Pflanzen als in der prallen Sonne. Eine Betonwand vermoost im Schatten viel stärker, der Schnee bleibt im Frühling viel länger liegen. Sogar wenn gerade keine Sonne scheint, kann man an diesen Spuren Sonnen- und Schattenplätze und die Himmelrichtung ablesen.

In der Architektur und Raumplanung ist der Sonnenstand und Schattenwurf ein wichtiger Faktor für die Ausrichtung und Platzierung von Baukörpern. Damit z.B. möglichst alle Wohnungen das ganze Jahr über Sonnenlicht bekommen, werden oft so genannte „Schattenverlaufsmodelle“ simuliert, die man mit Computerzeichenprogrammen gut darstellen kann.

Arbeitsschritte
  1. Sucht gemeinsam in der Klasse ein feststehendes Objekt, das sich als „Sonnenuhr“ eignet.
    Es kann ein Mast, ein Kirchturm, ein Baum oder ähnliches sein, das den ganzen Tag in der Sonne steht und seinen Schatten auf eine Fläche (Boden oder Wand) wirft. Wenn sich in der Nähe kein passendes Objekt findet, könnt ihr einfach einen Stab in einem Blumentopf im (sonnigen!) Schulhof aufstellen – aber aufpassen, dass ihn niemand bewegt!
  2. Zeichnet einen Vormittag lang jede halbe Stunde oder Stunde den Schatten eures Objektes nach. Wie?
    So lange noch Schnee liegt, kann man vorsichtig eine Schattenumrissspur in den Schnee treten oder mit Farbe den Schatten nachzeichnen. Auf trockenem Asphalt oder Pflaster kann man mit Wasser oder Straßenkreide zeichnen; auf bloßer Erde oder einer Wiese könnt ihr eine Schnur legen oder eine Sandspur ziehen.
    Zapfen, Schneckenhäuser oder Steine eignen sich hervorragend, um zumindest einzelne Punkte zu markieren und z.B. den Schattenwanderweg der Kirchturmspitze während eines ganzen Tages nachzuzeichnen und den Weg später wiederzufinden.
    Interessant ist es auch, zu jeder Schattenspur die Uhrzeit dazuzuschreiben.
  3. Montiert an einem sicheren Ort eine Fotokamera und macht jede Viertelstunde ein Bild von euren Schattenspuren.
    Solltet ihr keine Möglichkeit haben, die Schattenwanderung nachzuzeichnen, geht es auch mit der Kamera allein: Wenn man die Bilder nacheinander anschaut, kann man die Schattenspur sehr gut ablesen.
    Vielleicht habt ihr sogar Lust, aus den Bildern ein Daumenkino zu machen?

Links

LES_ART Spuren lesen – Zeichen setzen, Lesekultur macht Schule
Gnomone – Schattenzeiger – Sonnenuhren
Der Schatten als Kompass
Daumenkino



Dieses Projekt wurde entwickelt von: Christine Aldrian-Schneebacher und ermöglicht durch: ARCHITEKTUR_SPIEL_RAUM_KÄRNTEN und Lesekultur macht Schule



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